Folge uns
  • No products in the cart.
  /  Wissen   /  Mehrsprachigkeit

Mehrsprachigkeit

Gastbeitrag von @Sprachgold

Dieser Artikel wurde verfasst von Patricia Pomnitz. Als Sprachtherapeutin & Therapiewissenschaftlerin (M.Sc.) bietet Patricia auf Sprachgold Expertenwissen rund um das Thema Sprachentwicklung in Form von Online-Beratungen, Coachings sowie Video Kursen für Eltern an.

Wie gelingt Mehrsprachigkeit? – Was Eltern wissen sollten

Mehrere Sprachen fließend sprechen zu können, gilt in der globalen Welt als klarer Vorteil. Es ist eine Bereicherung und keine Schwäche! Mehrsprachige Erziehung kann jedoch auch eine Herausforderung für Eltern sein! In diesem Expertenbeitrag möchten wir Dir zeigen, wie Du Dein Kind auf seinem Weg in die Mehrsprachigkeit begleiten und eventuelle Stolperfallen erkennen kannst. Welche Vorteile hat es mehsprachig aufzuwachsen? Durch das Erlernen einer zweiten Sprache ensteht ein neuronales Netz aus verbundenen Nervenszellen. Kinder die zweisprachig aufwachsen, haben eine größere Anzahl von Neuronen und Synapsen im Gehirn und zeigen mehr Hirnaktivität. Das befähigt sie dazu, schneller zwischen verschiedenen Aufgaben zu wechseln und Probleme besser lösen zu können. Zweisprachige Menschen verstehen mathematische Konzepten leichter (Zelasko & Antunez, 2000), erinnern sich leichter und können sich besser in andere Menschen hineinversetzen (Bialystok, 2001). Sie haben scheinbar sogar einen höheren Widerstand gegen den Ausbruch von Demenz (Atkinson, 2016).

Überfordert es mein Kind mit zwei Sprachen gleichzeitig aufzuwachsen? Ein weit verbreitetes Vorutrteil ist, dass Kinder, die mehrsprachig aufwachsen, häufiger von Sprachentwicklungsstörung betroffen sind als einsprachig aufwachsende Kinder. Das stimmt so nicht! Spachstörungen betreffen einsprachig aufwachsene Kinder genauso häufig wie mehrsprachige Kinder. Mehrsprachig aufwachsene Kindern können jedoch häufiger von umweltbedingten Sprachschwierigkeiten betroffen ist. Das kann daran liegen, dass sie z.B. zu einer der Sprachen zu wenig Kontakt haben oder das Sprachangebot qualitativ nicht ausreicht und deshalb Möglichkeiten zum sprachlichen Lernen fehlen. Problematisch wird es, wenn der sprachliche Input in beiden Sprachen fehlt, denn dann kann das Kind weder in der Muttersprache noch in der Umgebungssprache ausreichenden gute Sprachfähigkeiten aufbauen. Man spricht in diesem Fall auch von einer doppelten Halbsprachigkeit. Wann ist der beste Zeitpunkt, um eine Sprache zu erlernen? Es gibt sogenannte sensible neuronale Phasen, in denen der Erwerb von Sprachen am besten gelingt.

Die Forschung zeigt: die beste Zeit, um eine zweite Sprache zu erlernen, liegt in der frühen Kindheit.

Wir lernen sehr viel bis zum Eintritt in die Pubertät. Danach erreicht das neuronale Wachstum, in dem neue Verknüpfungen im Gehirn geschaffen werden, ein Plateau. In der Wissenschaft sprechen wir dann auch nicht mehr von einem natürlichen Spracherwerb, sondern eher von einem bewusstem Lernprozess. Wenn die Möglichkeit besteht, das Kind von Anfang an mit zwei Sprachen zu erziehen, dann ist das eine Bereicherung, denn in dieser Zeit lernt es sich am Einfachsten! Wie schaffe ich es, dass mein Kind Muttersprach-Niveau in der Zweitsprache erreicht? Bei der Beantwortung dieser Frage geht es um die Qualität und Quantität des sprachlichen Angebotes. Also, wie viele Stunden das Kind in der Woche mit der jeweiligen Sprache in Kontakt ist. Es spielt auch eine Rolle, wer was mit dem Kind spricht und wie intensiv dieser Sprachkontakt ist. Ideal wäre es, wenn ein bilinguales Kind 50 Prozent des Tages mit jeder Sprache in Kontakt wäre. Aber in der Realität ist das natürlich schwierig. Der beste Weg, diese Erkenntnisse in der Familie umzusetzen, besteht deshalb darin:

Mit dem Kind in der Sprache zu sprechen, die man selbst am besten beherrscht! Denn wir sind Sprachvorbilder für unsere Kinder und sie übernehmen auch unsere Fehler.

Konsequent diese Sprache zu nutzen! Also innerhalb einer Unterhaltung mit dem Kind die Sprachen nicht zu mischen. Denn dies erschwert dem Kind die Unterscheidung zwischen den beiden Sprachsystemen. Mehrsprachige Kinder, machen wenn sie sprechen lernen typischerweise Fehler in der Grammatik oder sie suchen nach einem bestimmten Wort in einer Sprache und ersetzen es dann mit dem Wort aus der anderen – gerade verfügbaren Sprache. Das ist normal, weil sie mit mehreren Sprachsystemen jonglieren. Je sicherer die Sprachen im Laufe der Entwicklung werden, desto weniger solcher Fehler passieren. Wir müssen ihnen diese Sicherheit geben, in dem wir konsequent in unserem Sprachangebot sind.

Realistische Erwartungen zu haben. Man kann nicht erwarten, dass das Kind nach zwei Jahren in mehrsprachiger Umgebung die gleiche Kompetenz in all diesen Sprachen hat wie ein Kind, das nur mit einer Sprache aufwächst. Ein Beispiel: Nach ein paar Jahren kann ein Kind, das in Deutschland lebt und mit einem deutschsprachigen und einem russischsprachigem Elternteil aufwächst, die grammatischen Strukturen des Russischen schon gut meistern. Der russische Wortschatz ist aber eventuell kleiner als der Wortschatz eines Kindes, welches in Russland aufwächst und deutlich mehr russisch hört und spricht. Kein Wunder, bei dem erstgenannten Kind sind die russischen Kontexte in Deutschland ja viel geringer. Man spricht deshalb auch von der sogenannten Minderheitensprache. Wenn ich möchte, dass sich mein Kind nicht nur in der Umgebungssprache (z.B. Deutsch in Deutschland), sondern auch in der Herkunftssprache (z.B. Arabisch) entfaltet, dann muss ich mich also nach entsprechenden Angeboten umsehen, um den Kontakt zu der jeweiligen Sprache zu erhöhen! Das gilt auch für die Alphabetisierung, z.B. wenn mein Kind in der Schule deutsch lernt und ich möchte, dass es auch in der Familiensprache arabisch lesen und schreiben lernt. —> Hier könnte man deine tollen Kinderbücher erwähnen, zum Beispiel das mit dem arabischen Alphabet! Wie sinnvoll ist früher Sprachunterricht, wenn die Sprache zu Hause nicht gesprochen wird, z.B. Englisch im Kindergarten? Sprache muss immer in einen Kontext eingebettet sein, um zum Gebrauchtgegenstand zu werden. Erst im täglichen Miteinander, im Gespräch, im Spiel etc. lernen Kinder, sie anzuwenden. 1x pro Woche Frühenglisch im Kindergarten ist daher keine bilinguale Erziehung! Die Kindern lernen maximal ein paar englische Begriffe und Sätze auswendig. Sinnvoller sind bilinguale Kindertagesstätten oder bilinguale Schulen. Sind die Bedingungen hier stimmig, erwerben die Kinder gute bis sehr gute Kompetenzen in der Zweitsprache.

Mehrsprachige Erziehung – Alltagstipps für Eltern

1) Sprachvorbild Dein Kind erhält die höchste Qualität in Bezug auf Wortschatz, Grammatik, Aussprache, wenn Du in der Sprache mit ihm sprichst, die Du am besten beherrschst. Vermeide es im Gespräch mit Deinem Kleinkind häufig zwischen den Sprachen zu wechseln. Es braucht viel Wiederholung und Kontakt zu einer Sprache, um neue Wörter zu erlernen.

2) Bücher Lese Deinem Kind in beiden Sprachen und oft vor! Besorge Dir Bücher in den jeweiligen Sprachen. Falls das nicht geht, übersetze den Kern der Geschichte aus dem Buch, stelle Fragen und spreche über die Bilder des Buches in der jeweilige von Dir fokussierten Sprache. In Büchereien gibt es viel Auswahl an (bilingualen) Büchern.—> Bezug zu Deinen Büchern?!!

3) Musik Singen ist eine unterhaltsame Art eine Sprache anzubieten. Es fördert die Spracherkennung und macht Spaß! Du wirst überrascht sein, wie schnell Dein Kind unabhängig von der Sprache mitsingt.

4) Suche Angebote in der Umgebung Je mehr Dein Kind Kontakt zu einer Sprache hat, desto besser wird es sie lernen. Schaffe daher so oft es geht Schnittstellen im Alltag, z.B.:

• Baue eine Community von Gleichaltrigen X-sprechenden Kindern auf. Mache z.B. Playdates aus, suche dir eine Spielgruppe oder einen Miniclub in dem Dein Kind jede Woche in Kontakt mit anderen Kindern kommt, die auch die andere Sprache sprechen. Kinder lernen unfassbar viel von Gleichaltrigen!

• Melde Dein Kind in einem bilinguale Kindergarten/ Schule an.

• Regelmäßige Besuche im Herkunftsland und die Interaktion mit X-sprechenden Familienmitgliedern, wie Großeltern, Geschwister etc. helfen. Nutze beispielsweise Urlaube/ Auslandsaufenthalte bei der Familie.

Achtung! Wenn dein Kind Probleme in beiden Sprachen hat, empfehle ich Dir die Konsultation eines Kinderarztes und einer Sprachtherapeutin, um z.B. eine Hörstörung und/oder eine Sprachstörung auszuschließen.

Bei konkreten Fragen und Anliegen rund um die kindliche Sprachentwicklung kannst Du Dich gern direkt an Patricia wenden. Du findest ihre Kontaktdaten und viele weiterführende Infos über www.sprachgold-online.de

Literatur: • Chilla, S., Rothweiler, M. & Babur, E. (2013): Kindliche Mehrsprachigkeit. München: Ernst Reinhardt Verlag. • Kielhöfer, B. & Jonekeit, S. (1998): Zweisprachige Kindererziehung. Tübingen: Stauffenburg Verlag. • Meisel, J. M. (2013): Frühe Mehrsprachigkeit: Gefahren oder Vorteile? In Becker-Stoll, F., Kieferle, C. & Reichert-Garschhamme, E. (Hg.) Sprachliche Bildung von Anfang an. Strategien, Konzepte und Erfahrungen. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, S. 118– 130. • Montanari, E. (2007) Mit zwei Sprachen groß werden. München: Kösel. • Bilingualism in the Early Years: What the Science Says (Byers-Heinlein & Lew-Williams, 2013) • Pomnitz, P. (2020): Mehrsprachigkeit: Ein Ratgeber & Praxisbuch für die mehrspachige Erziehung 

Lieben Dank an Patricia und viel Spaß wünscht,

Post a Comment

de_DEDeutsch